Wir freuen uns über Ihren Besuch und Ihr Interesse! Hier können Sie sich über unsere vielfältigen Angebote für psychisch erkrankte Menschen in den Bereichen Lebensgestaltung, Wohnen, Tagesstruktur und Arbeit informieren. Hier finden Sie unsere aktuellen Flyer zum Downloaden:
Stolperstein
Im Video liest Maximilian Heusinger sein Gedicht. Dazu sehen Sie Bilder von der Stolperstein-Verlegung.

Stolpersteine erinnern an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Die im Gehweg eingelassenen Messingplatten holen ihre Namen zurück an die Orte, an denen sie einst lebten. 

Das Bayerische Rote Kreuz hat die Patenschaft für den Stolperstein für Karl Strauß übernommen. Karl Strauß wurde aufgrund seiner psychischen Erkrankung zunächst in eine Heil- und Pflegeanstalt eingeliefert. Am 22.11.1940 wurde er in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein in Sachsen transportiert, wo er nach der Ankunft mit Gas ermordet wurde.

Karl Strauß wohnte zuletzt in Würzburg in der Karmelitenstraße 3½ - heute auf der Straße neben der Hausnummer 1. Dort wurde am 22. April 2026 ein Stolperstein mit seinem Namen verlegt.

An der Stolperstein-Verlegung haben Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich der Sozialpsychiatrischen Hilfen des BRK teilgenommen. Maximilian Heusinger, ein Besucher des Tageszentrums für seelische und soziale Gesundheit, hat dazu ein Gedicht verfasst und vorgetragen.

Stolperstein – Karl Strauß

Wenn ich so langsam durch Würzburg laufe,
machen meine Schritte ab und zu eine Pause.
Dann schau ich hinunter auf meine Beine,
und seh‘ einen der goldn’en Stolpersteine.
Darauf der Name, wer damals deportiert,
deutlich in gold’nem Messing eingraviert.
Menschen wie wir waren auf einmal weg,
nicht nachvollziehbar, aus einem höllischen Zweck.
Psychisch erkrankte brauchen viel Schutz,
sind nicht zu ermessen an Tatkraft und Nutz‘.
Kein einziger Mensch auf der Welt ist verkehrt,
denn jedes Leben ist lebenswert.
Öfters denke ich bei mir,
wär’s heut wie früher, wär‘ ich nicht hier.

Karl Strauß, du hattest’s im Leben nie leicht,
warst eines der Opfer im dritten Reich.
Zwischen Frankfurt und Würzburg pendeltest du hin und her,
doch so richtig heimisch fühltest du dich nirgends so sehr.
Mit Selbstmordversuch und Wahnideen,
musstest du nach Werneck, in die Heilanstalt geh’n.
Und ehe du dich Ende 1940 versahst,
wurdest du in Pirna-Sonnenstein vergast.

Auch ich war schon mal in der Klinik Werneck,
fühlte mich ganz alleine, so wie ein Stück Dreck.
Fühlte mich in der Welt komplett unverstanden,
konnte mein Leben nicht mehr selber gestalten.
Aufgeben kam für mich nie in den Sinn,
sonst wär‘ ich heut sicher nicht da, wo ich bin.

Auf einer Feier, wo wir deiner gedenken,
und dir und den Verbliebenen den Stolperstein schenken.
Dass jeder und jede, die dieses Denkmahl erblicken,
für einen Moment eine Erinnerung kriegen.
Wir denken damit an die schwere Zeit,
keiner gerät in Vergessenheit.
Kein einziger Mensch auf der Welt ist verkehrt,
denn jedes Leben ist lebenswert.
Darum denken wir hier in leisem Gedächtnis,
und der Stolperstein ist ab jetzt Karl Strauß‘ Vermächtnis.

Maximilian Heusinger April 2026